Mein Wahlprogramm

Inhalt

Vorwort

Klimakrise, Umwelt- und Artenschutz, Digitalisierung, demografischer Wandel und nicht zuletzt der Erhalt von (sozialem) Frieden und Sicherheit sind die herausragenden Themen, die unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren vor große und richtungsweisende Herausforderungen stellen. 

Machen wir uns nichts vor: wenn wir so weiterleben wollen wie bisher, müssen wir viel verändern. Dazu gehört auch, dass wir vor der einen oder anderen unpopulären Entscheidung nicht zurückschrecken dürfen. Wir müssen mutig, entschlossen und vor allem gemeinsam handeln. Die Herausforderungen gehen uns alle an und betreffen alle Lebensbereiche. Ihnen zu begegnen und Lösungen zu finden für ein lebenswertes Willich für alle Bürgerinnen und Bürger, ist nicht allein Aufgabe von Politik und Verwaltung. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen. Ich lade alle Willicher Bürgerinnen und Bürger dazu ein, gemeinsam mit mir aktiv unsere Zukunft zu gestalten und ich bin davon überzeugt, dass wir durch die notwendigen Veränderungen mehr gewinnen als verlieren werden, nämlich eine lebenswerte Zukunft für uns, unsere Kinder und Enkelkinder.

Vor dem Hintergrund meiner vielfältigen Berufs- und Lebenserfahrung als Industriekauffrau, Diplom-Verwaltungswirtin, Business Coach, Mutter, Ehefrau, Hausfrau und in der Politik als Sachkundige Bürgerin bringe ich die notwendigen Kompetenzen mit, um als Bürgermeisterin erfolgreich zu sein.

Ich habe den Blick fürs Ganze, denn mir ist bewusst: Alles hängt mit allem zusammen! 

Ich hoffe, dass mein Wahlprogramm bei Ihnen große Zustimmung erfährt und Sie zugleich ein Gefühl von Aufbruchstimmung verspüren. 

Nehmen Sie mich beim Wort!

Ihre Claudia Poetsch

Die Klimakrise

Die Klimakrise bereitet vielen von uns große Sorgen. Unsere jungen Menschen gehen regelmäßig auf die Straße und mahnen uns – zu Recht! Viel zu viel Zeit ist bereits ungenutzt verstrichen! Im kommenden Jahrzehnt entscheidet sich, ob wir Menschen noch in der Lage sein werden, die globale Erhitzung einzudämmen. Die Begleiterscheinungen der Klimakrise mit Rekordtemperaturen, Dürre, Stürmen und Starkregenereignissen haben wir in den vergangenen zwei Jahren auch hier bei uns zu spüren bekommen. Und auch dieses Jahr hat ausgerechnet zur Pflanzzeit mit anhaltender Trockenheit, Sonne und viel Wind begonnen, so dass Landwirte und Gartenbesitzer bereits im Frühjahr mit künstlicher Bewässerung beginnen mussten.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass sich künftig ein eigenständiger und übergeordneter Geschäftsbereich im Rathaus ausschließlich um die Themen Klimakrise, Klimaanpassung, Natur- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit kümmert, um effiziente Maßnahmen und vor allem planvolle Maßnahmen und Projekte zu initiieren, zu koordinieren und umzusetzen. Beratungsleistungen und interkommunale Zusammenarbeit sind dabei zentrale Aufgaben. 

Das vom Rat verabschiedete Konzept »Global Nachhaltige Kommune« (GNK) legt dabei grundlegende Ziele bis zum Jahr 2030 fest. Hier haben wir derzeit kein Konzeptdefizit, sondern ein Umsetzungsproblem, das dringend aufzulösen ist.

Mein Ziel ist, mit einem klimaneutralen Willich unseren Beitrag zu leisten und zu zeigen, dass man sehr gut leben kann, ohne dabei unsere Erde zu zerstören. Langfristig werden wir alle davon profitieren – privat und als Wirtschaftsstandort.

Wirtschaft

Wirtschaft muss in Zukunft nachhaltig wachsen. Ziel muss sein, das wirtschaftliche Wachstum weitgehend vom Naturverbrauch zu entkoppeln. Es muss gelingen, Ökologie und Ökonomie nicht als Gegenpole unterschiedlichen Handelns zu sehen. Mit der bisherigen Art des Wirtschaftens, das auf dem Verbrauch fossiler und mineralischer Rohstoffe basiert, haben wir jedenfalls die Belastungsgrenze unserer Ökosysteme Klima, Boden und Wasser überschritten. 

Das Ende der Corona-Krise muss als Chance für einen Neuanfang bzw. eine Neuausrichtung unserer Wirtschaft gleichermaßen genutzt werden. Wir sind aus einer konjunkturellen Hochphase von jetzt auf gleich in einen Shutdown geraten. Niemand verfügt über Erfahrungen, wie damit in den unterschiedlichsten Bereichen umzugehen ist und welche Maßnahmen zu welcher Zeit getroffen werden müssen, um unserer Wirtschaftskraft zu gewohnter Stärke zu verhelfen. Es wird genau zu prüfen sein, welche ortsansässigen Unternehmen nach Aufhebung des Shutdown nicht richtig in Gang kommen. Gemeinsam mit Unternehmens- und Berufsverbänden, Arbeitsagentur, Finanzbehörden, Banken und vor allem unserer örtlichen Wirtschaftsförderung müssen wir mit den jeweiligen Unternehmen individuell maßgeschneiderte Förderkonzepte erarbeiten. Mein Anspruch ist, dass die Unterstützungsangebote genauso individuell sein müssen wie die Strukturen und Geschäftsmodelle unserer Unternehmer und dabei muss die Möglichkeit der ökologischen Umgestaltung bzw. Steuerung eine zentrale Rolle spielen.

Mein Ziel ist, das Gewerbegebiet Münchheide zu einem nachhaltig klimaneutralen und zukunftsorientierten Gewerbepark weiterzuentwickeln. Die digitale Transformation müssen wir uns dabei zunutze machen, denn sie generiert schon heute völlig neue Geschäftsmodelle, ist Innovationstreiber und ein »Super-Food« für Start-ups. Unsere Wirtschaftsförderung muss gestärkt und auf eine ökologische Wirtschaftswende hin ausgerichtet werden.

Die Versorgung mit einem flächendeckenden Glasfaser- und Mobilfunknetz ist hierfür genauso wichtig wie der umfassende Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz wird auch für die bereits ortsansässigen Unternehmen im Hinblick auf die Personalgewinnung zunehmend zum Standortfaktor. Das Gewerbegebiet muss in ein öffentliches Nahverkehrsnetz, bevorzugt mit Schienenverbindungen nach Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach eingebunden werden. Davon wird Willich ganzheitlich als Wirtschafts- und Wohnstandort und vielleicht künftig auch als Hochschulstandort profitieren. 

Einen weiteren Ausbau des Gewebegebietes Münchheide ohne deutliche Verbesserung des ÖPNV mit Anbindung an das Schienennetz werde ich nicht mittragen. 

Sicherheit und Ordnung

Sicherheit und Ordnung gehören unverrückbar zum Kern der Daseinsvorsorge. 

Dazu gehört für mich eine gute hausärztliche sowie eine flächendeckende ärztliche (Not-)Versorgung, die für alle Ortsteile gesichert sein muss.

Sicherheit und Ordnung bedeutet auch, dass sich jede Willicherin und jeder Willicher überall im Stadtgebiet angstfrei bewegen kann, dass Einbrüche, Diebstahl und Trickbetrüger keine Chance haben. Ganz konkret ist nicht hinnehmbar, dass Gruppen ihre Interessen im Gewerbegebiet rücksichtlos ausleben und ganze Straßenzüge mit ihren Hinterlassenschaften vermüllen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der kommunale Ordnungsdienst aufgestockt und die Zusammenarbeit mit der Polizei intensiviert wird.

Seit Jahren wird unsere Sicherheit auch durch unsere Freiwilligen Feuerwehren zuverlässig gewährleistet. Mir ist bewusst, dass unser aller Sicherheit von dem Engagement und der Bereitschaft dieser ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer abhängt. Gute Arbeitsbedingungen mit Fahrzeugen und Geräten auf dem Stand der Technik, regelmäßige Aus- und Fortbildung und die Pflege der Kameradschaft müssen ohne Wenn und Aber sichergestellt werden.

Kinder

Kinder sind unsere Zukunft. Kinder brauchen Platz, um ihre Potentiale zu entfalten und sich zu eigenständigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln zu können. Sie brauchen Spielplätze, Schulhöfe und Kita-Außengelände, die mehr sind als zweckmäßig und pflegeleicht. 

Ich werde mich dafür stark machen, dass diese »Draußenbereiche« in naturnahe und abwechslungsreiche Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder und Jugendliche umgestaltet werden. Die naturnahe Gestaltung soll wieder Lust machen, sich draußen zu bewegen, soll die Sinne anregen und zur Entspannung beitragen. 

Kinder brauchen ein gutes und vielfältiges Betreuungsangebot. Darunter verstehe ich bedarfsgerechte, wohnortnahe Betreuungsplätze in großzügig bemessenen und gut ausgestatteten Räumlichkeiten. Um Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich zu unterstützen und zu fördern, müssen wir uns intensiv um qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen, die Spaß an ihrer Arbeit haben und in Willich beste Arbeitsbedingungen vorfinden. 

Mein Anspruch ist, gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, pädagogischen und Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, Kindertagespflegepersonen sowie Lehrerinnen und Lehrern Konzepte zu entwickeln, um sehr gute Rahmenbedingungen für Bildung, Erziehung und Betreuung in allen Ortsteilen zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass sich diese Investitionen in die Zukunft unserer Stadt mehrfach auszahlen werden. Sie fördern unsere Kinder, unterstützen Familien und schaffen eine Lebens- und Aufenthaltsqualität, von der alle Bürgerinnen und Bürger profitieren werden. 

Ich werde mich für einen Masterplan »Kind und Jugend in Willich« stark machen, um alle Aspekte für eine ganzheitliche Betrachtung der Anforderungen und Bedarfe zusammenzustellen, damit gemeinsam Ziele formuliert und nachhaltige Lösungen gefunden werden können.

Junges Willich

Junges Willich steht für eine Lebenswelt, in der sich gerade auch Jugendliche und junge Erwachse wohlfühlen. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist in Willich vielfältig. Studienplätze an Hochschulen und Universitäten liegen sozusagen vor der Haustür. Und dennoch ziehen viele junge Erwachsene aus Willich weg. Hierfür sind meines Erachtens ein nicht ausreichendes Angebot an bezahlbaren Single-Wohnungen, ein wenig attraktives Freizeitangebot und eine völlig unzureichende ÖPNV-Infrastruktur mitverantwortlich.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass unsere vier Ortsteile für junge Erwachsene wieder an Attraktivität gewinnen. Es müssen bezahlbare kleine Wohneinheiten geschaffen werden und eine praxistaugliche Taktung gut vernetzter ÖPNV-Angebote in die umliegenden Großstädte, auch an den Wochenenden, umgesetzt werden.

Dazu gehört auch schnelles Internet für alle, ein stabiles Mobilfunknetz und freies WLAN im gesamten Stadtgebiet. 

Bei der Planung von Freizeitangeboten wird die Gruppe der jungen Erwachsenen oft nicht mitbedacht. Mir ist wichtig, gemeinsam mit jungen Leuten Sport-, Musik- und Freizeitangebote im gesamten Stadtgebiet zu entwickeln und umzusetzen.

Willich für Alle

Willich für alle heißt für mich mehr soziales Miteinander. Mir liegt sehr am Herzen all diejenigen, die an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt worden sind, wieder in unsere Mitte zu holen. Jeder und jede soll die Unterstützung bekommen, die er und sie braucht, um ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Kinder- und Altersarmut, soziale Isolation und Wohnungslosigkeit sind beschämende Makel unserer Gesellschaft, die entschlossen bekämpft werden müssen. 

Willich für alle wird von den vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Willich erst möglich gemacht. Sie setzen sich tagtäglich für andere ein, aus Überzeugung und mit viel Freude. Sie sind der Kitt unserer Gesellschaft und für ein funktionierendes Gemeinwesen unverzichtbar.

Mir liegt die Wertschätzung, Stärkung und Unterstützung der ehrenamtlich Tätigen sehr am Herzen. Als Bürgermeisterin werde ich mich für eine stärkere Vernetzung, auch überregional einsetzen. Mehr voneinander zu wissen, bringt neue Ideen und fördert gegenseitiges Verständnis und Unterstützungsbereitschaft. Ich will mich dafür einsetzen, dass jede und jeder nach ihren und seinen Möglichkeiten die Chance erhält, sich in unserem Gemeinwesen einzubringen. 

Willich für alle bedeutet auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle. Egal ob jung, alt, krank oder mit Behinderung. Unsere Stadt muss in allen öffentlichen Bereichen barrierefrei sein. Um selbstbestimmt leben zu können, müssen inklusive Arbeitsplätze geschaffen werden. Es muss eine barrierefrei zugängliche und wohnortnahe Versorgung mit Dingen des alltäglichen Bedarfs, mit Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, Betreuungs- und Pflegeplätzen sowie kulturellen Angeboten in allen Ortsteilen sichergestellt werden. Dazu gehört mobil sein zu können auch ohne eigenes Auto. Eine gute Vernetzung aller Ortsteile mit öffentlichem Personennahverkehr und einem den Lebenssituationen entsprechenden Wohnungsangebot sind wichtige Ziele für ein Willich für alle. 

Bauen und Wohnen

Bauen und Wohnen in Willich darf nicht automatisch gleichbedeutend sein mit dem Ausweisen weiterer Neubaugebiete. Das Angebot für bezahlbaren Wohnraum, das den Lebenslagen der Menschen in Willich entspricht, muss gemeinsam mit unseren Bürgerinnen und Bürgern festgestellt und geplant werden. Dabei werde ich meinen Fokus auf die Überplanung und Entwicklung der Ortsteile hin zu lebendigen und generationengerechten Quartieren legen. Authentisch gewachsene Ortskerne müssen erhalten bleiben. Dafür möchte ich gemeinsam mit Politik und Geschäftsführung die Grundstücksgesellschaft Willich konsequenter strategisch auf die Innenentwicklung hin ausrichten. Die weitere Versiegelung von Ackerflächen zu Lasten der noch vorhandenen bäuerlichen Landwirtschaft darf nicht beliebig weiter forciert werden. Wohnungsbauprojekte müssen generationenübergreifende Anforderungen erfüllen. Die Entwicklung des Wohnungsangebotes in Willich darf nicht allein dem freien Markt und den Interessen der Investorinnen und Investoren überlassen werden. 

Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Viersener Wohnungsbaugesellschaft ist nach meiner Überzeugung ein zielführender Weg. 

Bauen und Wohnen bedeutet für Ältere und Menschen mit Behinderung, nicht nur versorgt zu werden mit Plätzen in speziell hierfür gebauten (Pflege-)Einrichtungen. Wohn- und Pflegeformen müssen im gewohnten Lebensumfeld verwirklicht werden. Den Bau von Pflegegroßeinrichtungen auf der grünen Wiese zur schnellen Schaffung von Pflegeplätzen halte ich für einen fatalen Fehler. Der Generationenwechsel in den Quartieren muss konsequent und mittels Beratungs- und Unterstützungsleistungen gestaltet werden. Die jüngst begonnene strategische Zusammenarbeit in der Verwaltung zwischen den Geschäftsbereichen I/16 (Soziales) und II/5 (Stadtplanung) bezüglich bedarfsgerechter Wohnraumgewinnung wird von mir ausdrücklich begrüßt und unterstützt.

Mobilität

Mobilität ist eine wesentliche Voraussetzung für die Attraktivität und die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Vielfach ist zu lesen, dass der ländliche Raum wohl dauerhaft auf das Auto angewiesen bleiben wird. Mit solchen Aussagen darf und will ich mich nicht zufriedengeben. Gleichwertige Lebensverhältnisse sind im Grundgesetz verbrieft und dazu gehört auch eine praxistaugliche Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern vor allem auch aus sozialen Erwägungen bzw. als Gut der Daseinsvorsorge ist der Ausbau des ÖPNV von großer Bedeutung.

Mobilität steht für mich vor allem auch für ein sicheres und durchgehendes Fuß- und Radfahrwegenetz. Der vorhandene Verkehrsraum muss nach meiner Überzeugung allen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern gleichermaßen gerecht werden. Neben Parkplätzen für Autos müssen zum Beispiel auch zunehmend Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder flächendeckend zur Verfügung gestellt werden. 

Mir ist wichtig, dass ein integriertes Verkehrskonzept für das gesamte Stadtgebiet erstellt wird. Ziel muss sein, eine intelligente Verschränkung von Individualverkehr und öffentlichem Verkehr, von motorisiertem und nicht-motorisiertem Verkehr hinzubekommen, so dass alle Ortsteile mit passenden Mobilitätsangeboten gut versorgt sind.

Verkehr

Verkehr ist in Willich morgens und abends gleichbedeutend mit Stau, Lärmbelästigung, Abgasen und gefährlichen Verkehrssituationen. Die Autobahnen A44 und A52 sind zu Berufsverkehrszeiten regelmäßig überlastet. Der Ausweichverkehr führt zu langen Staus auf Bundes- und Landstraßen in und um Willich. Ortskundige Autofahrerinnen und Autofahrer weichen immer öfter durch die Ortskerne und über Wirtschaftswege aus. Es handelt sich dabei überwiegend um Durchgangsverkehr, um Arbeitsplätze in den Großstädten zu erreichen. 

Autobahnverbreiterungen, der Ausbau von Verkehrsknotenpunkten wie zum Beispiel der Anschlussstelle Münchheide, des Autobahnkreuzes Neersen oder gar eine Nordumgehung für Schiefbahn quer durch ökologisch wertvolle Naturbereiche werden zu keiner nachhaltigen Entlastung führen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben zuverlässig gezeigt, dass es keinen Sinn ergibt den Staus immer neue Straßen hinterherzubauen. 

Hier kann nur Entlastung durch einen schnellen und massiven Ausbau des ÖPNV-Angebotes geschaffen werden. Anzustreben ist zum Beispiel ein Bus-Ringverkehr, um alle vier Ortsteile miteinander zu verbinden. 

Die West-Verlängerung der Regio-Bahn (S 28) werde ich zur Chefinnen-Sache machen und in interkommunalem Schulterschluss mit Nachdruck vorantreiben. 

Weitere Schienenanbindungen zum Beispiel nach Meerbusch oder Krefeld und die Wiederherstellung einer direkten Bahnverbindung vom Anrather Bahnhof nach Düsseldorf stehen auf meiner Prioritätenliste weit oben.

Schulen

Schulen dürfen bei der Ausstattungsqualität, der baulichen wie auch sächlichen Ausstattung nicht zurückfallen. Das erfordert weitere Investitionen in den kommenden Jahren – nicht zuletzt, um alle Schulen auf ein vergleichbar gutes und zeitgemäßes Niveau zu heben. 

Unsere Schulen müssen sich dem Ganztag neu stellen. Das bereits vom Schulausschuss beschlossene Konzept für die Offene Ganztagsschule (OGS) muss konsequent umgesetzt werden, damit jedes Kind einen bedarfsgerechten Betreuungsplatz an seiner Wunschschule bzw. OGS erhält.

Schulen brauchen Schulhöfe, die Ökologie und zeitgemäße Pädagogik vereinen. Schulhofsanierungen bzw. -umgestaltungen sind ebenso wichtig wie zeitgemäße Raumkonzepte in den Gebäuden. 

Schulen werden zunehmend digitaler. Good-Practice-Lösungen hinsichtlich Netzwerk, Hardware- und Software müssen auch künftig breit gefördert werden. 

Mir ist wichtig, dass alle Willicher Schulen mit Softwarelösungen für digitale Lernmethoden ausgestattet sind. Auch hier ist es wichtig dafür zu sorgen, dass keine Schülerin und kein Schüler von den digitalen Möglichkeiten ausgeschlossen wird. Hierzu gehört die Verfügbarkeit über Internetverbindungen ebenso wie die entsprechende Ausstattung mit Endgeräten. Die Verwaltung als Schulträger muss hierfür einen Pool mit Leihgeräten bereithalten, um Schülerinnen und Schüler ausstatten zu können, die über kein privates Endgerät verfügen.

Darüber hinaus werde ich mich für ein Mentoring-Programm stark machen, damit die Schulen, die noch wenig Erfahrung mit digitalen Lernmethoden haben, von denen mit mehr Erfahrung profitieren können. 

Die nachhaltige Einführung digitaler Lernmöglichkeiten ist nicht nur in Krisenzeiten von herausragender Bedeutung. Auch Schülerinnen und Schüler, die aus unterschiedlichen Gründen regelmäßig und/oder für einen längeren Zeitraum die Schule nicht besuchen können, werden davon profitieren. Dies ist nach meiner Überzeugung auch ein bedeutsamer Schritt zur Inklusion.

Verwaltung

Verwaltung steht in den nächsten Jahren unter enormem Veränderungsdruck. Die Digitalisierung der Verwaltungsarbeit, der demographische Wandel, die zunehmend schwieriger werdende Gewinnung von Nachwuchskräften sowie die Bindung leistungsstarker Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Verwaltung sind Herausforderungen, die als Gemeinschaftsaufgabe verstanden und aktiv angegangen werden müssen.

Organisationskultur, Führung, Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Frühverrentung und krankheitsbedingte Ausfälle sind Themenbereiche, die vor dem Hintergrund der anstehenden Veränderungen in den Fokus genommen und bearbeitet werden müssen.

Verwaltung organisiert unser Gemeinwesen und muss zuverlässig, handlungsfähig, kundinnen- und kundenorientiert und zukunftsfest aufgestellt sein. Der Verwaltung muss in Zukunft der Spagat gelingen zwischen Stabilität einerseits und Anpassungsfähigkeit an Veränderungen andererseits.

Auch bei zunehmend digitalen Serviceangeboten ist mir wichtig, dass ein breit aufgestelltes persönliches Beratungsangebot in den Bürgerbüros in allen Ortsteilen vorgehalten wird. 

Neben einer bereits etablierten regelmäßigen Bürgerinnen- und Bürgersprechstunde stelle ich mir auch eine regelmäßige Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitersprechstunde zum unmittelbaren Austausch auf Augenhöhe vor.

Nicht zuletzt sind mir Teilhabe und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Schaffung von mehr Transparenz in Verwaltungs- und politische Entscheidungsprozesse für die berufliche Praxis als Bürgermeisterin zur Stärkung unserer Demokratie enorm wichtig. 

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden alle Lebensbereiche verändern – beruflich wie privat. Dabei geht es nicht nur um die technische Seite wie Breitbandausbau, Verwaltungsdienstleistungen per App beantragen zu können oder autonomes Fahren. Unsere Berufswelt und unser gesellschaftliches Zusammenleben werden sich grundlegend verändern. Diese heute bereits absehbaren Entwicklungen sind nicht aufzuhalten und müssen als große Chance zum Beispiel bei der Umgestaltung unserer Wirtschaft hin zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft begriffen werden. Nur so werden wir Klimaziele erreichen und nachhaltig absichern können. Wir dürfen aber nicht unberücksichtigt lassen, dass von all diesen Veränderungen immer Menschen betroffen sein werden. Homeoffice, Telemedizin und Pflegeunterstützung durch Roboter bergen die Gefahr der sozialen Vereinsamung. Internethandel und Angebote wie Online-Supermarkt oder -Apotheke werden dem Einzelhandel das Leben weiter schwermachen und können zu verödeten Ortskernen führen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass unsere kommunale Wirtschaftsförderung gemeinsam mit den Kammern den ortsansässigen Einzelhandel im digitalen Wandel verstärkt berät und unterstützt.

Auch in der Verwaltung gibt es noch viele digitale Möglichkeiten, die wir nutzen sollten. Alle Verwaltungsgänge sollten, soweit möglich, auch digital stattfinden können und alle öffentlichen Daten sollen öffentlich in einer leicht lesbaren Art zur Verfügung stehen. Mein Anspruch ist, dass alle Bürgerinnen und Bürger einen einfachen, kostenlosen und maschinenlesbaren Zugriff auf alle nicht vertraulichen Daten nutzen können, um eigene Auswertungen und Analysen zu unserer Stadt durchführen zu können. Dies führt zu mehr Transparenz und Vertrauen in die Verwaltung.

Die Corona-Krise hat uns im Grunde einen Schubs in das neue Zeitalter gegeben. Jetzt gilt es, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit der digitale Fortschritt keinen weiteren Anlass bietet unsere Gesellschaft zu spalten.

Mein Anspruch ist, durch Transparenz, Information, Bildungs- und Unterstützungsangebote möglichen Verunsicherungen und Ängsten entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass niemand durch die sich rasch vollziehenden Veränderungen abgehängt wird. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die als Grundrauschen bei allen Entscheidungen mit zu bedenken ist und immer vom und für Menschen gedacht werden muss.

Zurückfallen in die alten Strukturen der »Vor-Corona-Zeit« wäre nach meiner Überzeugung auf jeden Fall die schlechteste Möglichkeit.

Landwirtschaft

Landwirtschaft und Naturschutz müssen kein Widerspruch sein. Unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Willich legen großen Wert auf den Erhalt und Schutz gesunder Böden und Gewässer, denn das sind ihre Existenzgrundlagen. Es ist höchste Zeit, dass EU und Bund die Rahmenbedingungen schaffen, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe nicht ständig um ihre Existenz bangen müssen. Die derzeitige Wachstums-Subventionspolitik jedenfalls ist unsozial und unökologisch und sie hat bereits viele Existenzen und viel Natur zerstört: Ein dramatisches Insekten- und Artensterben in der Feldflur, das Grundwasser nitratbelastet, der Boden vielfach ausgelaugt und erosionsgefährdet, die Landwirtinnen und Landwirte oft hoch verschuldet und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft verloren, immer mehr aufgegebene Höfe und öde Landschaften. All das ist Ergebnis einer auf Export und Wachstum ausgerichteten Landwirtschaftspolitik, deren Auswirkungen wir auch in Willich deutlich spüren. Es bedarf unverzüglich einer grundlegenden Neuorientierung, denn es wird nicht mehr um die Frage gehen, ob sich unsere Landwirtschaft hin zu einer sozialen und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft verändern muss, sondern wie wir das schaffen. 

Um unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe aktiv zu unterstützen, werde ich mich dafür einsetzen, dass das Essen in Kitas und Schulen in Zukunft zu 100 Prozent aus regionalem Anbau und davon zu 50 Prozent von ökologischen Landwirtschaftsbetrieben stammt.

Es ist mir ein ganz persönliches Anliegen, mit ökologisch und konventionell arbeitenden Landwirtschaftsbetrieben im Austausch zu sein und gemeinsam faire Rahmenbedingungen im Stadtgebiet Willich zu gestalten. Das Ausspielen der Interessen von Bio-Anbau und konventionellem Anbau muss aufhören. Nur gemeinsam werden wir gute und faire Ergebnisse für alle erzielen.

Natur-, Umwelt- und Tierschutz

Natur-, Umwelt und Tierschutz bedeutet für mich den Flächenverbrauch unserer besonders wertvollen Ackerböden auf ein unabwendbares Mindestmaß zu reduzieren.

Natur-, Umwelt und Tierschutz ist gleichbedeutend mit mehr Bäumen, Hecken und eine zusammenhängende Waldfläche als Rückzugsmöglichkeit für Wildtiere in Willich.

Natur-, Umwelt und Tierschutz bedeutet für mich auch Stärkung und Unterstützung der Natur- und Tierschutzvereine. Die im Tierschutz in Willich ehrenamtlich Engagierten brauchen endlich gute Bedingungen, um Haustiere, verletzte und/oder Fundtiere versorgen und artgerecht unterbringen zu können. Ein Tierheim ohne größeren zeitlichen Aufwand erreichen zu können, ist vor allem auch bei der Vermittlung von Tieren besonders wichtig. Der Willicher Tierschutzverein hat bereits einen Antrag zur Errichtung eines Tierheims gestellt und wird von mir ausdrücklich unterstützt.

Natur-, Umwelt und Tierschutz – dazu zählt für mich auch der Gewässer- und Grundwasserschutz. Sauberes Trinkwasser ist ein Grundrecht und deren Sicherstellung ist Aufgabe der Daseinsvorsorge. Gemeinsam mit unseren Stadtwerken müssen effektive Konzepte zur Reinhaltung bzw. Entlastung unserer Gewässer und unseres Grundwassers erstellt und umgesetzt werden. Dem Schutz der Artenvielfalt in unseren Gewässern ist deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Renaturierungsmaßnahmen müssen angegangen werden, um ökologisch vielfältige Naturgebiete für Pflanzen und Tiere zurückzugewinnen.

Einzelhandel und lebendige Ortskerne

Der Einzelhandel und die Ortskerne müssen in allen Ortsteilen die gleiche tatkräftige Unterstützung bekommen, um eine gute Nahversorgung und Aufenthaltsqualität für unsere Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Dazu gehört ein gut aufgestelltes Leerstandmanagement mit dem Ziel, abwechslungsreiche Einzelhandelsgeschäfte sowie Café-, Restaurant- und Gaststättenangebote zu etablieren.

Lebendige Ortskerne brauchen auch ein ansprechendes und vielseitiges Kunst-, Unterhaltungs- und Kulturangebot. Ich stelle mir hierfür die Etablierung von Kulturzentren in den einzelnen Ortsteilen vor, die möglichst vielseitig genutzt werden können. Von Kino über Kleinkunst bis hin zu Kunstausstellungen, Musikschule und VHS soll hier ein abwechslungsreiches Angebot bereitgehalten werden. Die Belebung der jeweiligen Parkanlagen mit kulturellen Angeboten in den Sommermonaten soll das Angebot ergänzen.

Liebe Willicherinnen und Willicher,

mein Programm ist unter dem Eindruck der Klimakrise und all seinen Begleiterscheinungen entstanden sowie in dem Bewusstsein, dass die Menschen sich im Zeitalter der Digitalisierung für Wohnorte entscheiden werden, die sie für attraktiv und lebenswert halten, denn arbeiten können viele von uns künftig überall! 

Dazu kam nun auch die Corona-Krise, die uns viele Einschränkungen und Entbehrungen abverlangt, und die im Einzelfall auch viel Leid hervorgerufen hat. Wir haben durch diese besondere Zeit aber auch kaum gekannte Gemeinschaft, Solidarität und Rücksichtnahme erfahren. Digitale Lernmöglichkeiten, Home-Office, Video- und Telefonkonferenzen haben uns zum Teil auch unfreiwillig neue Möglichkeiten aufgezeigt. Wir müssen all diese Erfahrungen als Chance begreifen und dürfen nicht wieder in alte Strukturen zurückfallen. Und vor allem dürfen wir nicht zulassen, dass die Einhaltung der Klimaziele den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten geopfert wird. Wer behauptet, dass unsere Wirtschaft nur unter Aufgabe der Klimaziele wieder erstarken kann, macht lediglich die eigene Beschränktheit deutlich. Querdenken und neue Wege beschreiten wird tragfähige Lösungen bringen. Stumpf einem »Weiter so« zu folgen ist nicht nur nach meiner Überzeugung ein katastrophaler Fehler. Der Klimaschutz hat eine ungeahnte Innovationskraft!

Wir dürfen nicht verkennen, dass die Veränderung ökologischer Systeme irreversibel ist und damit zwangsläufig zur eigentlichen menschlichen Katastrophe führen wird!

Mir ist bewusst, dass die hier formulierten Ideen und Ziele nicht gleichzeitig und sofort konzipiert oder gar umgesetzt werden können. Mein Programm enthält Forderungen, deren Umsetzung keinen Aufschub dulden und Ziele und Visionen, die mittelfristig und zum Teil auch erst langfristig umgesetzt werden können. Wichtig ist jedoch, dass sich unsere Entscheidungen von heute maßgeblich an den formulierten Zielen orientieren müssen, damit Visionen von heute, morgen Realität sein können.

Mit dem Blick fürs Ganze werde ich mich als Bürgermeisterin stark machen für ein lebenswertes, wirtschaftlich starkes und zukunftsfestes Willich für alle!

Seien Sie dabei!

Ihre Claudia Poetsch